Keratokonus: UV-Crosslinking

UV-Crosslinking:

Hornhautvernetzung mit UVA-Bestrahlung und Riboflavin.

Keratokonus ist eine zumeist beidseitig auftretende Hornhautdegeneration mit kegelförmiger Vorwölbung der verdünnten Hornhaut. Die Häufigkeit beträgt ca. 1:2000 in der Gesamtbevölkerung. Typischerweise beginnt der Keratokonus in der Pubertät und schreitet dann bei ca. 20% der davon betroffenen Patienten soweit voran, dass  eine Hornhauttransplantation wegen Vernarbung oder irregulärer Hornhautverkrümmung durchgeführt werden muss. Dabei ist der Keratokonus mit ca. 15% einer der häufigsten Anlässe, eine Hornhauttransplantation durchzuführen.

Eine Hornhauttransplantation wird erst dann durchgeführt, wenn alle anderen Behandlungsmaßnahmen keinen zufrieden stellenden Erfolg mehr zeigen. Dazu gehören harte Kontaktlinsen und als operative Maßnahmen Epikeratoplastik und intracorneale Ringe. Diese Verfahren behandeln jedoch nur die Folgen des Keratokonus. Die eigentliche Ursache der Hornhautverdünnung wird damit nicht behoben. Es wird vermutet, dass bei Keratokonus eine Störung zwischen den Kollagenmolekülen vorliegt, d.h., dass der Grad der Vernetzungen hier verringert ist.

Das Ziel bei Kollagenvernetzung mit Riboflavin UVA besteht in der künstlichen Erhöhung des Grades der Vernetzungen in der Hornhaut, um so wieder ausreichende mechanische Stabilität herzustellen. Diese wird im Bindegewebe nämlich hauptsächlich durch Vernetzungen erzeugt. Die photo-oxidative Vernetzungsmethode mittels Riboflavin und UVA-Licht ist in kurzer Therapiezeit einfach und sicher handhabbar und lässt die Transparenz der Hornhaut unverändert.

Diese Vernetzungsbehandlung zur Stabilisierung der Hornhaut wird ambulant unter Tropfanästhesie durchgeführt. Vor der eigentlichen Bestrahlung mit UVA-Licht wird die Hornhautdeckschicht abgetragen, um die Diffusion in das Gewebe zu verbessern. Im Intervall von 5 Minuten werden immer 2-3 Tropfen Riboflavin appliziert, das die UV-Strahlung absorbiert und als Photosensibilisator zur Erzeugung von reaktiven Sauerstoffspezies dient. Dabei wird 90% des UV-Lichtes in der Hornhaut aufgenommen, so dass keine Gefahr für die körpereigene Linse bzw. die Netzhaut besteht.

Als Bestrahlungszeit sind ca. 30 Minuten erforderlich. In dieser Zeit fixiert der Patient, auf dem Rücken liegend, ein Ziellicht. Aufgrund der angewandten betäubenden Augentropfen ist die Behandlung selbst völlig schmerzfrei.
Nach der Behandlung wird eine weiche Kontaktlinse als schützender Verband auf die Hornhaut aufgesetzt und bis zur vollständigen Heilung der Hornhautdeckschicht belassen. Während der ersten Tage nach der Operation ist mit Schmerzen zu rechnen, da die Hornhautdeckschicht erst die freiliegenden Hornhautnerven überwachsen muss. Diese können jedoch durch Augentropfen sowie Schmerztabletten gelindert werden. Tägliche Kontrollen zum Ausschluss von Entzündungen bis zum Schluss der Hornhautdeckschicht nach ca. 3 Tagen sind erforderlich.

Ein endgültiges Ergebnis kann nach ca. 3 Monaten erwartet werden.

Nach den bisherigen Ergebnissen dieser 1998 erstmalig und mittlerweile an Hunderten von Patienten durchgeführten Therapie kann erwartet werden, dass eine stärkere Vernetzung der Hornhautbindegewebsmoleküle erfolgt. Dies verhinderte im bisherigen Beobachtungszeitraum ein weiteres Fortschreiten des Keratokonus und es konnte sogar in der Mehrzahl der Fälle eine Befundbesserung im Sinne einer Reduzierung der irregulären Hornhautverkrümmung erreicht werden.
Schwerwiegende Komplikationen sind dabei bisher nicht bekannt geworden und nach menschlichen Ermessen auch nicht zu erwarten. Eine weitere alternative Therapie in Form von Einsetzen von Kunststoffringen in die Hornhaut bzw. eine Hornhauttransplantation kann danach immer noch durchgeführt werden, wenn das Ergebnis nicht zufrieden stellend ist.